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Insolvenzen: Darum steigen die Zahlen bei Verbrauchern so stark an

Eine Analyse von Creditreform sendet widersprüchliche Signale vom deutschen Insolvenzgeschehen. Während die Zahl bei den Privaten um über 60 Prozent stieg, ging der Wert bei Unternehmen sogar zurück. Doch zur Entwarnung besteht kein Grund – im Gegenteil.

Carsten DierigStand: 14:42 Uhr

Verbraucherinsolvenzen haben zuletzt stark zugenommen. Das liegt auch, aber nicht nur an Corona 

Quelle: pa/dpa/Jens Kalaene

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen in Deutschland steigt sprunghaft. Im ersten Halbjahr 2021 gab es rund 46.000 Fälle, wie die Auskunftei Creditreform meldet. Das ist ein Plus von fast 63 Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Creditreform spricht daher von einem „Dammbruch bei den Anträgen“.

Hintergrund ist zum einen die seit über einem Jahr anhaltende Corona-Krise. Kündigungen und Kurzarbeit sorgen für eine steigende Überschuldung privater Haushalte. Zum anderen hat aber auch eine neue Rechtslage zu dem kräftigen Anstieg beigetragen: das Ende Dezember vom Bundestag beschlossene „Gesetz zur weiteren Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens“. Dadurch nämlich halbiert sich die Dauer eines privaten Insolvenzverfahrens von bislang sechs auf nur noch drei Jahre.

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Zudem müssen Betroffene die Verfahrenskosten nicht mehr selbst decken, und auch auf die Erfüllung von sogenannten Mindestbefriedigungsanforderungen wird verzichtet. Und darauf haben offenbar Tausende betroffene Verbraucher gewartet. 

„Seit Jahresbeginn kommt es zu einem Run auf die Amtsgerichte“, beschreibt Patrik-Ludwig Hantzsch, der Leiter Wirtschaftsforschung bei Creditreform. Und der könnte sich weiter fortsetzen. Immerhin haben sich 2020 rund 588.000 Menschen wegen finanzieller Probleme an die Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in Deutschland gewandt, meldet das Statistische Bundesamt.

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Das Gesetz setzt eine EU-Richtlinie in deutsches Recht um, geht dabei mit der Einbeziehung privater Haushalte aber deutlich über die Vorgaben aus Brüssel hinaus. Die nämlich beziehen sich eigentlich auf unternehmerisch tätige Personen. Experten sehen das kritisch. Ihre Befürchtung: Der deutlich schnellere Schuldenschnitt könne sich negativ auf die Mentalität des Schuldenmachens auswirken. Als überschuldet gelten Privatpersonen, wenn sie ihre finanziellen Verpflichtungen über einen längeren Zeitraum nicht mehr begleichen können und keine Verbesserung absehbar ist.

Ganz anders als bei den Verbraucherinsolvenzen ist die Entwicklung bei den Firmenpleiten. Mit 8800 Fällen lag die Zahl im ersten Halbjahr 1,7 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Damit setzt sich der schon seit Pandemiebeginn anhaltende Trend sinkender Fallzahlen weiter fort, allerdings nicht mehr so heftig wie noch im Jahr 2020. „Bei der Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen wirken weiterhin die staatlichen Corona-Hilfsmaßnahmen“, sagt Creditreform-Experte Hantzsch und nennt unter anderem das Kurzarbeitergeld, Überbrückungshilfen und die zeitweise ausgesetzte Insolvenzantragspflicht.

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Von Insolvenz betroffen waren laut Creditreform vor allem kleine Firmen. Mehr als die Hälfte der Pleite-Betriebe entfallen auf die Größenklasse bis 250.000 Euro Jahresumsatz, die sich vornehmlich aus Einzelunternehmen und Freiberuflern zusammensetzt. Großinsolvenzen dagegen machen derzeit nur einen Bruchteil der Fallzahlen aus – laut Statistik 0,9 Prozent. „Anscheinend machen sich konjunkturelle Erholung sowie staatliche Hilfen bei größeren Unternehmen positiv bemerkbar“, heißt es dazu von Creditreform. Im ersten Halbjahr 2020 hatte das noch ganz anders ausgesehen mit den Insolvenzen von Galeria Karstadt Kaufhof, von diversen Modehändlern sowie von den Restaurantketten Vapiano und Maredo.

Diesem Trend entsprechend sind die Insolvenzschäden rückläufig. Von Januar bis Juni summierten sich die Ausfälle für die Gläubiger auf rund zwölf Milliarden Euro, meldet Creditreform. Im Vorjahreszeitraum waren es noch fast 16 Milliarden Euro, im zweiten Halbjahr 2020 sogar rund 25 Milliarden Euro. Bedroht sind aktuell etwa 90.000 Arbeitsplätze und damit deutlich weniger als noch ein Jahr zuvor, als der Vergleichswert bei 125.000 Stellen und damit 28 Prozent niedriger lag.

Quelle: Infografik WELT 

Deutliche Unterschiede bei der Betroffenheit gibt es in den Wirtschaftszweigen. Während die Zahlen im verarbeitenden Gewerbe und in der Baubranche teilweise stark rückläufig sind, gibt es unter den Dienstleistungsfirmen und vor allem im Handel ein Plus bei den Insolvenzzahlen. 

„In diesen Branchen hat der Lockdown die Unternehmen geschwächt“, erklärt Experte Hantzsch und verweist auf bekannte Fälle wie Adler Modemärkte oder die Deutsche Confiserie Holding mit den bekannten Ladenketten Arko, Hussel und Eilles. Die Pleitefirmen waren dabei im bisherigen Jahresverlauf älter als in früheren Jahren. Gut jedes zweite Unternehmen war zum Zeitpunkt der Insolvenz schon mindestens zehn Jahre am Markt.

Zum Vergleich: Vor fünf Jahren lag dieser Anteil noch bei 40 Prozent, 2012 sogar nur bei einem Drittel. Anders sieht es bei den jungen Unternehmen aus: Lediglich bei 19,5 Prozent der Insolvenzen liegt das Gründungsdatum höchstens vier Jahre zurück. Gegenüber 2012 hat sich diese Zahl damit fast halbiert. Grund dürfte das rückläufige Gründungsgeschehen sein, heißt es von Creditreform, insbesondere bei sogenannten Notgründungen etwa aus der Arbeitslosigkeit heraus. Die nämlich gelten als besonders anfällig.

Quelle: Infografik WELT 

Im zweiten Halbjahr dürfte sich das Insolvenzgeschehen nun erhöhen. Zum einen bei den Verbraucherinsolvenzen. Der Informationsdienstleister Crifbürgel geht von bis zu 110.000 Fällen im Gesamtjahr 2021 aus – und damit von einer Verdoppelung der Zahlen. Das Thema der frühen Restschuldbefreiung bleibt dann weiter wichtig. 

Vor allem aber kommt nun die unmittelbar von der Corona-Pandemie verursachte Welle, prognostiziert Crifbürgel-Geschäftsführer Frank Schlein. Und die werde auch noch bis ins Jahr 2022 hineinreichen. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie seien dabei nicht nur für Beschäftigte im Niedriglohnsektor existenzbedrohend, sondern auch im mittleren Einkommensbereich.

Zum anderen rechnen Experten auch bei den Unternehmensinsolvenzen mit steigenden Zahlen in den kommenden Monaten. „Eine größere Insolvenzwelle konnte zwar durch die teilweise ausgesetzte Antragspflicht und umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen bisher verhindert werden, dennoch ist für dieses Jahr insgesamt aber mit einem merklichen Anstieg der Insolvenzzahlen zu rechnen“, heißt es zum Beispiel aus dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi).

Aber auch der Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) rechnet mit mehr Arbeit für seine Mitglieder. Denn dass die deutschen Unternehmen in vielen Fällen die Corona-Zeit unbeschadet überstehen, hält der VID für einen Trugschluss. „Die vorhandene Liquidität wird derzeit von Finanzämtern und Krankenkassen nicht abgeschöpft, die ihre Forderungen seit Beginn der Krise gestundet haben. Sollte sich dies ändern, wird sich dies auch bei den Insolvenzzahlen widerspiegeln“, sagt der VID-Vorsitzende Christoph Niering.

Quelle: Infografik WELT 

Üblicherweise stellen Fiskus und Kassen vergleichsweise oft Insolvenzanträge für Unternehmen, die ihre Steuerschuld oder Kassenbeiträge nicht bezahlen. Nun aber wollten sie staatliche Hilfsmaßnahmen nicht durch Zwangsvollstreckungen und Insolvenzanträge unterlaufen. „Vor der Corona-Pandemie haben die Finanzbehörden und die Sozialversicherungsträger die meisten Fremdanträge gestellt. Darüber hinaus sind viele Eigenanträge Reaktionen auf drohende Fremdanträge.

Wenn also über einen längeren Zeitraum Forderungen gestundet werden, dann fällt der wichtigste Anstoß für den Insolvenzantrag einfach weg“, erklärt Niering. Allerdings rechnet er damit, dass die institutionellen Gläubiger noch in diesem Jahr zu ihrer früheren Praxis zurückkehren und dann auch wieder vermehrt Insolvenzanträge stellen. „Damit kommen wir der notwendigen volkswirtschaftlichen Normalität ein Stück näher.“ Von einer Insolvenzwelle könne allerdings weiterhin nicht die Rede sein.

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