Etwa drei Millionen Haushalte in Deutschland sind überschuldet. Die Betroffenen müssen mit dem Existenzminimum auskommen. Sie können jetzt aufatmen: Ab dem 1. Juli 2017 werden die Pfändungsfreigrenzen erhöht – somit haben Schuldner künftig mehr Geld zur Verfügung.

 

Wie sind die neuen Pfändungsgrenzen?

 

Galten nach der alten Pfändungstabelle beispielsweise für Personen ohne Unterhaltspflicht 1079,99 Euro als unpfändbar, sind es nach der neuen 1133,80 Euro. 

Die Freibeträge werden dem Einkommen und der Unterhaltspflicht angepasst.

Beispiel: Ein Schuldner erhält ein monatliches Nettoeinkommen von 1900 Euro und ist gegenüber zwei Personen unterhaltspflichtig. Nach der neuen Pfändungstabelle dürfen ihm nur noch 40,70 Euro gepfändet werden. Vor dem 1. Juli 2017 wurden ihm noch 78,72 Euro monatlich abgezogen.


Quelle Bildzeitung SERIE: DAS IST NEU IM JULI, TEIL 2


Wie viel genau bleibt für die Haushaltskasse übrig?

 

In folgender Tabelle können Sie abschätzen, wie viel Ihnen nach den neuen Pfändungsgrenzen bleiben. 

► Die Werte sind gerundet und gelten für den angegebenen Verdienst. 

MONATLICHER NETTO-LOHN
KEIN UNTERHALT  UNTERHALT FÜR 1 PERSON UNTERHALT FÜR 2 PERSONEN UNTERHALT FÜR 3 PERSONEN UNTERHALT FÜR 4 PERSONEN

1.139* Euro

1.139* Euro

1.139* Euro

1.139* Euro

1.139* Euro

1.139* Euro

1.200 Euro

1.154 Euro

1.200 Euro

1.200 Euro

1.200 Euro

1.200 Euro

1.300 Euro

1.184 Euro

1.300 Euro

1.300 Euro

1.300 Euro

1.300 Euro

1.400 Euro

1.214 Euro

1.400 Euro

1.400 Euro

1.400 Euro

1.400 Euro

1.500 Euro

1.244 Euro

1.500 Euro

1.500 Euro

1.500 Euro

1.500 Euro

1.600 Euro

1.274 Euro

1.580 Euro

1.600 Euro

1.600 Euro

1.600 Euro

1.700 Euro

1.304 Euro

1.630 Euro

1.700 Euro

1.700 Euro

1.700 Euro

1.800 Euro

1.334 Euro

1.680 Euro

1.799 Euro

1.800 Euro

1.800 Euro

1.900 Euro

1.364 Euro

1.730 Euro

1.859 Euro

1.900 Euro

1.900 Euro

2.000 Euro

1.394 Euro

1.780 Euro

1.919 Euro

2.000 Euro

2.000 Euro

2.100 Euro

1.424 Euro

1.830 Euro

1.979 Euro

2.081 Euro

2.100 Euro

2.200 Euro

1.454 Euro

1.880 Euro

2.039 Euro

2.151 Euro

2.200 Euro

2.300 Euro

1.484 Euro

1.930 Euro

2.099 Euro

2.221 Euro

2.295 Euro

2.400 Euro

1.514 Euro

1.980 Euro

2.159 Euro

2.291 Euro

2.375 Euro

2.500 Euro

1.544 Euro

2.030 Euro

2.219 Euro

2.361 Euro

2.455 Euro

2.600 Euro

1.574 Euro

2.080 Euro

2.279 Euro

2.431 Euro

2.535 Euro


Quelle: LAG Schuldnerberatung Hamburg e:V.

*Dieser Betrag wird durch eine gesetzliche Vorschrift so gerundet.

Achtung: Die Tabelle gilt nicht für Unterhaltsschuldner, die nicht oder unregelmäßig zahlen und nicht bei einer vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung, beispielsweise einer Schadensersatzzahlung wegen einer vorsätzlichen Körperverletzung.

Wen muss der Schuldner jetzt informieren?

 

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber oder Sozialleistungsträger verpflichtet, die neuen Pfändungsfreibeträge automatisch zu berücksichtigen. Überweist er jedoch nach den alten Beträgen, kann der Schuldner die Differenz zurückverlangen.

Vorsorglich sollte man sich beim Arbeitgeber erkundigen, ob die neue Pfändungstabelle angewendet wird. Damit kann irrtümlichen Auszahlungen vorgebeugt und eine Auseinandersetzung mit dem Chef vermieden werden.

Achtung: Per Gericht oder Vollstreckungsstelle öffentlicher Gläubiger festgesetzte individuelle Freibeträge muss der Schuldner selber ändern lassen.


Was passiert mit dem Pfändungsschutzkonto?

 

Die Anpassung an die neuen Freigrenzen gilt auch für Pfändungsschutzkonten, auch P-Konten genannt. Der geänderte Basisfreibetrag für Konteninhaber ohne Unterhaltspflicht beträgt 1133,80 Euro je Monat.

Auch hier gilt: Die Bank haftet für die zu viel gezahlten Beträge. Daher sollten unbedingt die Kontoauszüge geprüft werden.

 

Kann der geschützte Betrag erhöht werden?

 

Über den monatlichen Basisfreibetrag hinaus können weitere Beträge freigegeben werden.

Es können auch Zahlungseingänge, wie Kindergeld, gesundheitliche oder soziale Leistungen vor einer Pfändung geschützt werden. Zu sozialen Leistungen zählen unter anderem die Kosten für die Erstausstattung von Schulanfängern oder Unterstützungen für Klassenfahrten. Um den Basisfreibetrag aufzustocken, muss eine Bescheinigung des Arbeitgebers, der Familienkasse oder der Krankenkasse vorgelegt werden.

Wichtig: Einmalige Erhöhungen sind zur Weihnachtszeit möglich.